Kanzleien und Steuerberater erscheinen in ChatGPT-Antworten vor allem dann, wenn jemand fragt, wen er beauftragen oder wie er eine Kanzlei auswählen soll; bei reinen Fachfragen zitierte das Modell in unserem Test vom 23. September 2026 Gesetze, Behörden und große Beratungsgesellschaften. Sichtbar werden Sie deshalb mit eigenen Fachseiten pro Mandantenfrage, einer für KI-Crawler offenen Website und gepflegten Einträgen in den Verzeichnissen, die Assistenten als Quelle heranziehen.
Was hat unser Test vom 23. September 2026 gezeigt?
Am 23. September 2026 haben wir einem Sprachmodell 20 deutsche Geschäftsfragen gestellt. Kanzleifragen waren nicht gesondert Gegenstand des Tests, aber das Muster ist für Kanzleien und Steuerberater sehr aufschlussreich.
- Bei 10 der 20 Fragen hat das Modell überhaupt nicht im Web gesucht. Es antwortete aus seinem Trainingswissen und zitierte niemanden.
- Wo es gesucht hat, zitierte es bei 9 von 10 Fragen Primärquellen: Gesetze, Ministerien, die OECD und große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.
- Firmen wurden nur bei Fragen vom Typ „Wen sollte ich beauftragen?“ oder „Wie wähle ich aus?“ genannt.
- Zwei Durchläufe derselben Frage nannten zwei unterschiedliche Gruppen von Firmen.
Daraus folgen drei Dinge. Erstens ist eine reine Fachfrage für eine kleine Kanzlei schwer zu gewinnen, weil der Gesetzestext und die zuständige Behörde die naheliegenderen Quellen sind. Zweitens ist die Auswahlfrage die eigentliche Bühne: Dort entscheidet sich, ob Ihr Name fällt. Drittens sagt ein einzelner Test fast nichts, weil die Antworten von Durchlauf zu Durchlauf wechseln.
Ein weiterer Punkt verändert, wie Sie Erfolg messen sollten. In rund zwei Wochen Serverlogs von drei Kurs-Websites, mit etwa 1,2 Millionen Anfragen in den beiden größten Logs, kam genau ein menschlicher Besucher von einem Assistenten (Copilot); von ChatGPT, Perplexity, Gemini, Claude und Meta AI kam keiner. Assistenten beantworten Fragen meist direkt. Für eine Kanzlei zählt deshalb, ob sie in der Antwort genannt wird, nicht ob ein Klick folgt.
Bei welchen Fragen nennt ChatGPT überhaupt eine Kanzlei?
Die folgende Übersicht ordnet die Fragetypen ein. Sie beruht auf unserem Test vom 23. September 2026 mit allgemeinen deutschen Geschäftsfragen und auf einem Praxisfall vom 20. Oktober 2026. Eine eigene Messung nur mit Kanzleifragen liegt uns nicht vor, die Beispiele sind deshalb Übertragungen.
| Fragetyp | Beispiel | Was wir beobachtet haben | Was Sie beeinflussen können |
|---|---|---|---|
| Reine Fachfrage | „Welche Frist gilt für den Einspruch gegen einen Steuerbescheid?“ | Test vom 23. September 2026: oft gar keine Suche; sonst Gesetze, Ministerien, OECD, große Prüfungsgesellschaften | Eine präzise Fachseite, die als zusätzliche Quelle taugt |
| Kosten- und Ablauffrage | „Was kostet eine Erbschaftsteuererklärung?“ | Im Bonner Praxisfall nannten Kosten-, Risiko- und Behandlungsfragen keine einzige Praxis | Fachseite mit klarer Einordnung, die auf Ihre Mandatsfelder verweist |
| Auswahlfrage | „Welchen Steuerberater für eine GmbH-Gründung in Köln?“ | Test: nur hier wurden Firmen genannt; Praxisfall: Praxen, jameda.de, Websites der Wettbewerber | Eigene Seiten zu Ihren Mandatsfeldern, Verzeichniseinträge, Ortsbezug |
Der Praxisfall vom 20. Oktober 2026 zeigt, wie das Muster in einem beratenden Beruf aussieht: Für eine orthopädische Praxis in Bonn nannten die vier Assistenten die Praxis in 12 von 80 Antworten auf 20 Patientenfragen (Claude 5 von 20, Gemini 4, ChatGPT 2, Perplexity 1). Fragen nach der Wahl der Praxis brachten Praxisnamen, Fragen zu Kosten, Risiken und Behandlungen dagegen keinen. Ausführlicher beschreiben wir das im Artikel Wie werden Arztpraxen von ChatGPT und KI-Assistenten empfohlen?.
Warum zitiert ChatGPT Gesetze statt Ihrer Kanzlei?
Wenn ein Assistent sucht, wählt er Quellen, die eine Aussage belastbar stützen. Für „Was steht im Gesetz?“ ist das Gesetz selbst die beste Quelle. Eine Kanzleiseite, die den Gesetzestext nur umformuliert, bietet dem Modell nichts Zusätzliches.
Anders sieht es aus, wenn Ihre Seite etwas liefert, das in der Primärquelle fehlt: die Einordnung für einen konkreten Fall, die typische Reihenfolge der Schritte, die Fehler, die bei einem Verfahren leicht passieren. Die Studie GEO: Generative Engine Optimization (Aggarwal et al., KDD 2024) hat mit rund 10.000 Suchanfragen gezeigt, dass Zitate, Statistiken und Expertenzitate die Sichtbarkeit einer Quelle in generativen Antworten um bis zu rund 40 Prozent erhöhen können. Für Kanzleien heißt das: Paragrafen sauber zitieren, mit Quellenangabe arbeiten und die eigene Einschätzung als Fachperson klar kennzeichnen.
Auch der Fachverlag Haufe kommt zu dem Schluss, dass klassisches SEO für Steuerkanzleien weiterhin nötig, aber allein nicht mehr ausreichend ist, wenn Sprachmodelle wie ChatGPT oder Gemini die Kanzlei direkt als Quelle nennen sollen (Haufe.de).
Wie sehen Fachseiten pro Mandantenfrage aus?
Eine Sammelseite „Steuerrecht“, „Arbeitsrecht“ oder „Erbrecht“ mit drei allgemeinen Absätzen gibt einem Assistenten, der eine konkrete Frage beantworten soll, keine konkrete Antwort. Sie beschreibt, was die Kanzlei tut, aber sie beantwortet nichts.
Besser geeignet ist eine Seite pro Frage, die Mandanten tatsächlich stellen. Zum Beispiel:
- „Muss ich als Freiberufler eine Gewerbesteuererklärung abgeben?“
- „Was passiert, wenn ich die Frist für eine Kündigungsschutzklage verpasse?“
- „Welche Unterlagen brauche ich für die erste Besprechung zur Erbschaft?“
Jede dieser Seiten beantwortet die Frage in den ersten zwei Sätzen, nennt die einschlägige Norm mit Link, erklärt den Ablauf und endet mit dem Hinweis, wann eine individuelle Beratung nötig ist. So wird die Seite für Fach- und Auswahlfragen zugleich nützlich.
Dass solche Seiten einzeln abgerufen werden, sehen wir in Serverlogs. Live-Abrufagenten wie ChatGPT-User, OAI-SearchBot und Perplexity-User holen eine Seite, während ein Assistent einem Menschen antwortet. Ein Kunden-Blog mit einigen Dutzend Artikeln erhielt in zwei Wochen 56 solcher Abrufe auf 24 verschiedene Artikel. Jede gut beantwortete Frage ist eine eigene Tür.
Was erlaubt das Berufsrecht?
Fachseiten sind berufsrechtlich unkritisch, solange sie sachlich bleiben. § 43b BRAO erlaubt Rechtsanwälten Werbung, soweit sie sachlich über die berufliche Tätigkeit informiert und nicht auf einen Auftrag im Einzelfall gerichtet ist. Die Darstellung bei ommatic betont, dass die Vorschrift eine Werbeerlaubnis mit Sachlichkeitsgebot ist und Websites sowie Fachpublikationen selbstverständlicher Teil der Kanzleikommunikation sind. Eine erklärende Seite pro Mandantenfrage passt genau in diesen Rahmen. Für Steuerberater gelten eigene berufsrechtliche Regeln, die Sie entsprechend prüfen sollten.
Wenn Sie KI zum Entwurf solcher Texte nutzen: Die Bundesrechtsanwaltskammer weist in ihrem Leitfaden zum KI-Einsatz darauf hin, dass KI anwaltliche Tätigkeit nur unterstützen darf, weil der Grundsatz der eigenverantwortlichen Leistungserbringung nach § 43 BRAO gilt. Jede Fachseite sollte also von einem Berufsträger geprüft und verantwortet sein.
Welche Rolle spielen Verzeichnisse?
Bei Auswahlfragen können Verzeichnisse und Bewertungsportale als Quelle dienen, weil dort viele Anbieter mit Ort, Fachgebiet und Bewertungen nebeneinanderstehen. Im Bonner Praxisfall wurde das Arztverzeichnis jameda.de in 12 Antworten zitiert. Die meistzitierten Quellen waren dort allerdings die eigenen Websites konkurrierender Praxen.
Für Kanzleien heißt das: Pflegen Sie Ihre Einträge in den gängigen Anwalts- und Steuerberaterverzeichnissen vollständig, mit denselben Angaben zu Name, Adresse, Fachgebieten und Schwerpunkten wie auf Ihrer Website. Widersprüchliche Angaben machen es schwer, die Kanzlei eindeutig zuzuordnen. Verlassen Sie sich aber nicht allein auf Verzeichnisse. Da im Praxisfall die Websites der Wettbewerber noch häufiger zitiert wurden als das Verzeichnis, ist Ihre eigene Website mindestens ebenso wichtig.
Was muss technisch auf Ihrer Website stimmen?
Die beste Fachseite nützt nichts, wenn Crawler sie nicht lesen dürfen. Wie leicht das passiert, wissen wir aus eigener Erfahrung: Auf itgrows.ai sollte eine robots.txt-Regel nur eine Weiterleitungsseite (/b) verbergen. Weil robots.txt-Regeln als Präfix greifen, sperrte sie vom 11. August bis 21. Oktober 2026 auch /blog, /business und alle Artikel unseres Business-Blogs für sämtliche Crawler. Bing Webmaster Tools führte unsere Business-Seite seit dem 11. August 2026 als „gefunden, aber nicht gecrawlt“. Am 21. Oktober 2026 haben wir die Regel auf /b$ geändert. Prüfen Sie Ihre eigene Datei mit dem Artikel Blockiert meine Website GPTBot, ClaudeBot und PerplexityBot?.
Zweitens: Ein Google-Index ist keine Garantie. Am 19. Oktober 2026 haben wir Assistenten nach den exakten Titeln von 18 Artikeln gefragt, die älter als drei Wochen waren. ChatGPT fand 1 von 18, Claude 7 von 18, obwohl Google von einer der Websites 29 von 30 Artikeln indexiert hatte. Es lohnt sich daher, die Indexierung nicht nur bei Google zu prüfen; warum wir dabei auch auf Bing Webmaster Tools und IndexNow schauen, erklärt der verlinkte Artikel.
Drittens: Umfang zählt mehr als Auszeichnung. Eine Website mit vollständigem Markup, also Server-Rendering, strukturierten Daten und Sitemap, aber nur 75 URLs, tauchte selbst beim exakten Thema ihres eigenen Artikels nicht in Antworten auf. Eine Website mit rund 190.000 crawlbaren URLs wurde ständig gecrawlt. Die beiden Fälle sind nicht direkt vergleichbar, aber sie zeigen: Saubere Auszeichnung allein hat die kleine Website nicht in die Antworten gebracht. Für eine Kanzlei spricht das dafür, zuerst in Inhalte zu investieren, die viele einzelne Mandantenfragen abdecken, und erst danach am Markup zu feilen.
Wie prüfen Sie, ob ChatGPT Ihre Kanzlei nennt?
Stellen Sie die Fragen, die Ihre Mandanten stellen würden, und zwar jeweils mehrmals. Dieselbe Frage dreimal gestellt, nennt ein Assistent oft unterschiedliche Firmen. Wir zählen ein Unternehmen für eine Frage als genannt, wenn es in einem von drei Durchläufen vorkommt, und vergleichen Wochen nur bei gleichen Fragen und gleicher Zahl an Durchläufen. Wie Sie das selbst aufsetzen, steht im Artikel Wie prüfe ich, ob ChatGPT und andere KI mein Unternehmen nennen?.
Teuer ist das Messen nicht. Mit den API-Preisen vom Oktober 2026 kostet uns ein Bericht mit 20 Fragen, vier Assistenten und drei Durchläufen etwa 5,40 US-Dollar. Aufwendig ist eher, die richtigen Fragen zu finden und über Wochen dabeizubleiben.
Für einen schnellen Eindruck gibt es den kostenlosen Check auf itgrows.ai: Er erzeugt aus Ihrer Startseite fünf Mandantenfragen und zeigt in 25 bis 40 Sekunden, ob ChatGPT und Perplexity Ihre Kanzlei nennen. ItGrows veröffentlicht darüber hinaus Fachartikel auf der eigenen Domain des Kunden, kümmert sich um Crawler-Zugang und Indexierung und misst jede Woche, welche Antworten den Kunden nennen. Am 20. Oktober 2026 zitierte Perplexity in dieser Messung einen Artikel, den wir auf der Website einer deutschen Gründungsberatung veröffentlicht hatten. Garantieren kann eine Nennung niemand, auch wir nicht.
Häufig gestellte Fragen
Reicht klassisches SEO, damit ChatGPT meine Kanzlei empfiehlt?
Klassisches SEO bleibt die Grundlage, reicht aber allein nicht aus. Assistenten brauchen Seiten, die konkrete Fragen beantworten, und in unserer Messung vom 19. Oktober 2026 fanden sie Seiten oft nicht, obwohl Google sie indexiert hatte.
Warum nennt ChatGPT bei meiner Fachfrage keine einzige Kanzlei?
In unserem Test vom 23. September 2026 nannte das Modell Firmen nur bei Fragen, wen man beauftragen oder wie man auswählen soll. Bei Fachfragen zitierte es Gesetze, Ministerien und große Prüfungsgesellschaften oder suchte gar nicht.
Ist eine Fachseite pro Mandantenfrage berufsrechtlich zulässig?
Sachliche Information über die berufliche Tätigkeit ist nach § 43b BRAO erlaubt, und erklärende Fachseiten gehören genau in diesen Rahmen. Wichtig ist, dass ein Berufsträger die Inhalte prüft und verantwortet, besonders wenn KI beim Entwurf geholfen hat.
Wie lange dauert es, bis meine Kanzlei in ChatGPT erscheint?
Dafür gibt es keine verlässliche Frist, und niemand kann eine Nennung garantieren. Messen Sie Ihre wichtigsten Mandantenfragen regelmäßig mit mehreren Durchläufen, dann sehen Sie, ob sich etwas bewegt.
